28.02.2018

Medizintechnik in Baden-Württemberg:
Boombranche vor Herausforderungen

Auf der Aufnahme sind zu sehen (von links): Moderatorin Dunja Geisler (MBG Baden-Württemberg), Guy Selbherr (Geschäftsführer der MBG Baden-Württemberg), Reinhilde Spatscheck (Geschäftsführende Partnerin der SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement), Frank Franzen (MBI bei der medigroba GmbH), Dr. Fabian Sokolowski (Maikowski & Ninnemann Patentanwälte), Stefan Allgayer (ehemaliger Gesellschafter der medigroba GmbH), Guntmar Eisen (Geschäftsführer der EIT GmbH), Andreas Wudi (Director Global Sales Greater China + South Asia der AESCULAP AG)

Die Medizintechnik in Baden-Württemberg boomt und hat zugleich große Herausforderungen zu meistern. Eine verschärfte Regulierung und hoher Innovationsdruck führen zu steigendem Kapitalbedarf bei Medizintechnik-unternehmen; die zunehmende Komplexität im Gesundheitsmarkt befördert Konzentrationsprozesse; zudem geht es bei einigen Unternehmen um eine gelingende Übergabe an die nächste Generation. Im Rahmen einer Branchenveranstaltung in Hausen ob Verena wurden Ansätze zur Zukunftssicherung des starken südwest-deutschen Medizintechniksektors diskutiert. Im Mittelpunkt standen ver-schiedene Modelle und Finanzierungs-optionen für die mittelständisch geprägte Wachstumsbranche. Gastgeber waren die SHS Gesellschaft für Beteiligungs-management, die MBG Baden-Württemberg und die Cluster-Initiative für Medizintechnik Medical Mountains.

Tübingen/Hausen ob Verena, 28.02.2018. Baden-Württemberg gehört mit über 600 Unternehmen zu den führenden Medizintechnikregionen in Europa. Die industrielle Stärke, die Verfügbarkeit gut ausgebildeter Ingenieure, vor allem aber die enge Verzahnung der Hochschul- und Forschungslandschaft mit der Wirtschaft hat im Südwesten Deutschlands ein gutes Klima in der Branche geschaffen. Die Rahmenbedingungen sind also gut. Fragen ergeben sich aber im Blick auf die Zukunft. In Hausen ob Verena in der Nähe von Tuttlingen hatten Unternehmer, Experten des Gesundheitswesens sowie Vertreter von Finanzinstituten und Kapitalbeteiligungsgesellschaften die Möglichkeit über Lösungsansätze zu diskutieren.

Ein Praxisbeispiel für die aktuellen Herausforderungen und wie damit umgegangen werden kann, lieferte der Geschäftsführer der EIT GmbH, Guntmar Eisen. Er zeigte, wie man ein innovatives Unternehmen in verschiedenen Lebensphasen mit unterschiedlichen Kapitalformen finanzieren kann. Bereits bei der Gründung begleitete die MBG die EIT GmbH mit einer stillen Beteiligung. Im Rahmen einer Wachstumsfinanzierung hatten sich der Tübinger Medizintechnik-Investor SHS sowie die MBG und der VC Fonds BW im Jahr 2016 am 3D-Druck-Spezialisten beteiligt. „Durch die Investition von MBG und SHS konnten wir mit unserer Idee in Produktion gehen: Die EIT entwickelt Wirbelsäulen-Implantate, die mittels 3D-Druck hergestellt werden. Die Branchenexpertise und das internationale Netzwerk von SHS hat uns zusätzlich dabei geholfen, in den amerikanischen Markt einzusteigen“, so Eisen.

Stefan Allgayer, ehemaliger Gesellschafter von medigroba und medigroba-Geschäftsführer Frank Franzen erläuterten, wie bei dem in Balingen ansässigen Homecare-Provider eine Nachfolgelösung gefunden werden konnte: „Gemeinsam mit SHS haben wir den Verkauf intensiv vorbereitet. Dadurch wurde ein ausgewogener Interessensausgleich zwischen den Erwartungen der Verkäufer, den Nachfolgern und der Belegschaft erreicht. Die Kontinuität des Geschäftsbetriebes konnte gewahrt bleiben. Das war Basis für eine weiterhin hohe Mitarbeiterzufriedenheit und ein stattliches Umsatzwachstum. Die konstruktive Zusammenarbeit zwischen ehemaliger und neuer Geschäftsführung erwies sich als modellhaft.“

Andreas Wudi vom Tuttlinger Medizintechnikhersteller Aesculap lieferte Einblicke in seine Erfahrungen bei der Kooperation mit chinesischen Partnern. Als Director Market Management Greater China verfügt er über ausgewiesene Expertise in diesem Bereich: „Viele KMUs, aber auch globale Player im Medtech-Bereich stellen in ihrer Wachstumsstrategie vermehrt Asien, im Speziellen China in den Fokus. Aufgrund des noch immer boomenden Medtech-Bereichs in China scheint dies ein probates Mittel zu sein. Doch der neue 5-Jahres-Plan der Regierung und immer höher werdende Hürden bei Zulassungen und Preisregulierungen sowie die sich ständig ändernden Vorschriften machen es extrem wichtig, das kulturelle Umfeld und die Marktmechanismen in China genau zu kennen. Nur wer sein Handeln wirklich danach ausrichtet, wird weiterhin erfolgreich im Chinageschäft bleiben und mit der Dynamik dieses Landes Schritt halten können.“

Der Patentanwalt Dr. Fabian Sokolowski stand für Fragen rund um eine gelungene Schutzrechtstrategie zur Verfügung und erläuterte, worauf es im Medizintechnikbereich aus patentrechtlicher Sicht besonders an-komme. „Die frühzeitige Anmeldung von Patenten ist wichtig. Wenn eine Erfindung erst einmal veröffentlicht wurde – auch durch den Erfinder selbst – ist diese nicht mehr neu. Ein Patentschutz ist dann nur noch in Ausnahmefällen möglich. Wichtig ist auch, dass die Erfindung dem Unternehmen gehört. Hier sind für Arbeitnehmer und externe Erfinder unterschiedliche Regelungen zu berücksichtigen“, so Dr. Sokolowski.

SHS wurde von Gründungspartnerin und Geschäftsführerin Reinhilde Spatscheck vertreten. Als Investor mit alleiniger Fokussierung auf Medizintechnik und Life-Science-Unternehmen, bietet SHS Hilfe bei Expansionsfinanzierungen und Nachfolgesituationen. „Neben Kapital und einem exzellentem Netzwerk verfügt SHS über mehr als 20 Jahre Branchenerfahrung und stellt diese Expertise seinen Partnern zur Verfügung. Mit dem Ausbau unserer Netzwerkaktivitäten in den USA ermöglichen wir zusätzlich einen erleichterten Einstieg in den US-amerikanischen Markt“, erklärt Reinhilde Spatscheck, Gründerin, Partnerin und Geschäftsführerin von SHS.

MBG-Geschäftsführer Guy Selbherr, der ebenfalls auf der Veranstaltung präsent war, ergänzt: „Als branchenübergreifender Investor engagieren wir uns besonders gerne in Zukunftsfeldern wie der Medizintechnik und dabei ausdrücklich auch in frühen Unternehmensphasen. Wir sehen, dass vor allem junge Unternehmen dieser Branche vor vielen Herausforderungen stehen. Unser Ziel ist es, ihnen mit unserem breiten Know-how aus dem Netzwerk Baden-Württemberg und frischem Kapital zu helfen, ihre Ziele erfolgreich zu realisieren.“

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